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Mein Leben ohne Facebook (Teil 2)

12. Februar 2013 von pulponair

R.I.P…nu isser wech, also entgültig. Die 14 Tage sind um und ich kann meinen Facebook Account auch nicht mehr durch „einloggen“ reaktivieren.

Im Folgenden mal ein bischen was zu meiner Motivation und den Erfahrungen:
Wenn man so möchte, dann kann ich mein soziales Umfeld aka Freundes- und Bekanntenkreis grob in drei Gruppen unterteilen:

1. Engerer Kreis
Das sind die Menschen, mit denen ich regelmässig und häufig persönlichen Kontakt habe.  Seien es jetzt enge Freunde, gute Bekannte oder auch Arbeitskollegen.
Personen aus diesem Kreis wohnen in der gleichen Stadt wie ich, befinden sich in der Regel im gleichen „Lebensabschnitt“ und  haben sogar den gleichen Arbeitgeber, Intressen oder Hobbies etc.

2. Mittlere Kreis
Das sind Leute, die zwar möglicherweise räumlich gar nicht so weit entfernt sind, die ich aber deutlich weniger oft spreche, höre oder sehe als jene aus Gruppe 1.  Gründe dafür sind z.B. sas sie viel unterwegs sind, einen anderen Tagesrythmus haben, oder man sich schlicht und einfach nicht soviel zu sagen hat ;).

3. Äussere Kreis
Hier würde ich Menschen einsortieren, die ich wirklich selten sehen. Vielleicht nur 1 bis 2 mal im Jahr oder gar seltener. Das können z.B. alte Klassenkameraden sein, Freunde die 100te  Kilometer entfernt leben usw.

Mit Grad der Freundschaft, Sympathie oder Art des Vertrauensverhältnisses hat diese Einteilung übrigens so rein gar nichts zu tun.

So und nun die Kurve zu Facebook ;).
Facebook gibt einem zu jeder Zeit eine unglaubliche Menge an Information:

  • was jemand in seinen Status schreibt
  • wer etwas liked und was er liked
  • wer etwas kommentiert und was
  • wer mit wem befreundet ist
  • wer gerade wo mit wem rumhängt
  • usw, usw.

Nun ist es so, dass die wirkliche Payload dieser Information schwer zu bestimmen ist, wenn sie überhaupt vorhanden ist. Mal abgesehen davon, dass es tierisch viel Zeit frisst, sie überhaupt zu sichten.
Der Nutzen dieser Information nimmt für mich, wenn ich ihn für die genannten „Gruppen“ betrachte, von hinten nach vorne ab. Während der Aufwand der Verarbeitung, Sichtung und Interpretation steigt.

Beispiel:
Lese ich zum Beispiel, dass mein Freund Valentin (der 800km entfernt wohnt) gerade mit seiner Freundin im Urlaub ist und „Rotwein liked“, dann ist das von sozialem Nutzen für mich. Ich hab dann zumindest das Gefühl, dass ich etwas mehr aus seinem Leben mitbekomme und das ist unser Freundschaft und seinem nächsten Weihnachtspaket sehr zuträglich ;).

Tut das gleiche mein Kumpel Jan aus Hamburg, dann ist diese Information für mich nahezu wertlos und außerdem redundant. Weil ich es ohnehin schon wusste.

Ich kann hier also feststellen, dass Facebook für mich eigentlich nur einen Nutzen für  die Gruppe 3 und ggf. 2 meines sozialen Umfeldes hat. Das bestätigen auch meine bisherigen Erfahrungen, denn die ersten Leute die überhaupt gemerkt haben, dass ich nicht mehr bei Facebook bin, waren tatsächlich die aus Gruppe 3 :).

Nun ist es so, dass eine Information ja nicht nur  Payload sondern, wenn man so will auch noch einen „Meta“ – Anteil trägt. Damit meine ich  z.B. dass, was man reininterpretieren kann (und will), wenn man das ganze in einen Stimmungs- oder Beziehungskontext setzt.

Beispiel:
Nehmen wir an, ich habe mich gerade (per Telefon oder sonst wie) mit meinem Kumpel Jan, meiner Freundin oder sonst jemanden gestritten der mir nahe steht. 5 Minuten später werde ich dann möglicherweise  auf Facebook mit der Information konfrontiert, dass die betreffende Person gerade STREETART GERMANY’S Foto „I HATE YOU“ geliked hat.

Im schlimmsten Fall kann ich das dann auf den Konflikt beziehen. Obwohl derjenige vielleicht nur die Typo klasse fand. Das ist dann für mich in dem Moment eine schädliche Information, der Ich mich auch nicht wirklich entziehen kann, denn sie wird mir ja ungefragt präsentiert.

Das mag auf den ersten Blick etwas paranoid klingen, aber es ist ja schon in der direkten Kommunikation (vice a vice) schwierig genug in emotial angespannten oder verunsichernden Situation nicht „alles auf die Goldwaage“ zu legen. Das wird durch Facebook in dem Fall nicht unbedingt einfacher ;).

So genug, pseudo-soziologische Geschwafel. Mehr dazu (vielleicht in Teil 3).

Ach so, für alle die es interessiert: Ich hab mal zu Weihnachten ein Buch von Frank Schirrmacher mit Namen „Payback“ bekommen, das sich im weitesten Sinne um das Thema dreht und auch überraschend gut recherchiert ist. Ist nicht das beste Buch aller Zeiten ….das ist nämlich:
[asa default_de]3442541824[/asa]
bzw.
[asa default_de]3746611571[/asa]

…und man will es eigentlich nach den ersten 15 Seiten weglegen, aber es kommt im Abgang:
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3 Reaktionen zu “Mein Leben ohne Facebook (Teil 2)”

  1. Martin Spuida

    hallo niko,
    da kann ich dir NUR beipflichten !
    ich bin da ja auch ausgetreten :)
    ich freue mich auf teil 3 !
    gruß aus trave

  2. andy

    kann ich hier like drücken?

    ja mann, du hast uneingeschränkt recht mit deinen ausführungen. trotzdem ein schwerer schritt. hast du nicht das gefühl, du verpasst was?

  3. pulponair

    Andy: ja kannst du, sogar bei FB, siehe oben :). Nö das Gefühl hab ich nicht. Manchmal, wenn ich was sehe und es knipse denk ich „ach, das hätte X bestimmt gefallen, haette man posten koennen“ ..aber das wars auch schon

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