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Silberne Kreolen

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5. August 2008 von HagenTrinker

Leipzig, früher Abend. Wo der Tag hin ist, ich weiß es nicht. Das meiste von ihm liegt auf dem Sofa. Aus der Küche höre ich das sonore Klacken meiner Laptop-Tastatur. Der Gast ist wach, denke ich. Und der Fernseher läuft auch.

Und jetzt, erstmal aufstehen, denke ich. In der Küche stinkts nach kaltem Rauch. Also erstmal eine rauchen. Und was machen wir jetzt, fragt der Gast. Keine Ahnung. Erstmal Pizza bestellen – und Bier. Zwei Flaschen, schlage ich vor. Acht, erwidert der Gast.
Die Pizza wird gebracht, das Bier auch, es steckt in einer Plastiktüte. Die will der Lieferant zurück.
Prost! Prost! Wozu immer viel reden. Der Gast fragt, wohin wir noch gehen nachher. Ich denke, ins Bett und sage, keine Ahnung, erstmal raus. Das Bier ist alle, erstaunlich schnell. Acht Flaschen helfen bei der Entscheidung, vor allem, wenn sie leer sind. Also raus, erstmal ins Koma. Dort haben wir die längsten Haare und die wenigsten Tätowierungen. Das Bier ist die Hausmarke, kostet wenig und schmeckt nicht. Aus den Boxen dröhnen Variationen von Punk. Der alte Fernseher hängt gefährlich schaukelnd in einer Ecke und zeigt Vorberichte des Klitschko-Kampfes. Auf dem T-Shirt des Wirtes steht “Rpck´n´Roll ihr Arschlöcher”. Ich lache und würde ihm das gern zurufen. Irgendwie traue ich mich nicht. Also noch ein Bier. Wir sitzen an der Theke. Die Situation macht mich irgendwie traurig. Der Boxkampf beginnt, einer will den Ton lauter stellen. Dabei geht der Fernseher aus. Unruhe im Koma.
Der Gast will unbedingt noch eine Frau kennen lernen. Mir ist das egal mittlerweile. Ich will immer noch ins Bett. Wir gehen auf die Straße und wieder ins McCormack. Da waren wir zwei Tage vorher schon. Ein Pseudo-Irish Pub mit einem Hausbier, das fiese Kopfschmerzen macht. Wir setzen uns an die Theke und bestellen es trotzdem. Keinen Schnaps diesmal, sagt der Gast. Jaja, sage ich. Wir wundern uns, warum drei Kellnerinnen hier arbeiten. Eigentlich stehen sie nur rum.
Die eine, findet der Gast, sei ziemlich sexy. Die werde er jetzt mal ansprechen. Und die beiden links neben uns an der Theke auch, die solle ich mal ansprechen. Denke eine kurze Weile darüber nach, warum er das nicht selber macht. Da sehe ich, dass der Gast sich über die Theke beugt und höre ihn sagen: Du entschuldige. Die Kellnerin: Ja, bitte. Der Gast: Also, deine Ohrringe… Sie: Ja, was ist mit meinen Ohrringen? Er: Also, die gehen ja wohl gar nicht. Dieses Grün, und wie die an dir runterbaumeln. Ich verschlucke mich und spüre Röte in mein Gesicht steigen. Sie: Was bitte. Er nochmal: Deine Ohrringe gehen gar nicht. So schöne große silberne Kreolen, die würden dir gut stehen. Einen Moment denke ich, gleich holt der Gast schöne silberne Kreolen aus der Hosentasche. Macht er aber nicht. Die Kellnerin ist irritiert und irgendwie wütend, behält aber erstaunlicherweise die Contenance. Uns allerdings würdigt sie keines Blickes mehr. Zum Glück gibt es noch zwei andere Kellnerinnen, so dass wir noch einige Biere bestellen können.
Der Gast will immer noch eine Frau kennen lernen. Also gehen wir noch in einen Club. Aber die Luft ist irgendwie raus.


8 Reaktionen zu “Silberne Kreolen”

  1. Pine

    Autsch.

    Aber wunderbarer Schreibstil, Herr Trinker ;)

  2. HagenTrinker

    Wieso autsch? Einen Versuch wars wert. Man muss auch mal ausgetretene Pfade gehen…
    Vielen Dank für die Blumen, Frau Pine

  3. pulponair

    das haette sicher geklappt, wenn der gast auch wirklich silberne kreolen dabei gehabt haette….;)

  4. Pine

    Das galt etwas anderem. Egal ;)

    Gerne, die Blumen, sogar ohne porcuPine-Stachel..

  5. HagenTrinker

    @ pulponair: Klar, hat mich eh gewundert, dass der Gast keine dabei hatte, wo er doch sonst immer welche dabei hat. Vielleicht, weil kein Platz mehr im Rucksack war…

    @Pine: So einfach kommst du nicht davon. Wem oder was galt es denn nun?

  6. pulponair

    ich wuerde sagen, das haengt stark davon ab was sonst so im Rucksack war ;)

  7. Pine

    Hey, ich verlasse mich darauf, dass so was von Männern überlesen wird. Weil die das nämlich immer machen. Du kannst jetzt nicht einfach nachfragen.

  8. HagenTrinker

    Oh, pardon, wollte keine weiblichen Weltbilder durcheinander bringen. Will aber immer noch wissen, wem da was galt

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