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Essay über das Nichts tun

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29. Juli 2008 von Pine

Wenn wir die Frage stellen, was jemand macht, bekommen wir heut zu Tage relativ häufig die Antwort: “Nichts”. Die Beweggründe der befragten Person, eine solch uninformative Antwort zu geben können dabei stark varieren. So kann es etwa eine ebenso sinnlose Floskel sein, wie man zum Beispiel auf die Frage, wie es einem gehe, mit ‘gut’ antwortet, ohne dass man wirklich darüber nachdenkt. Quasi eine rhetorische Frage, auf die man keine oder eben immer die selbe Antwort erwartet. Kurz: Smalltalk. Das ‘nichts’ auf die Frage, was man denn tue, kann aber auch als Abweisung dienen: Eine Art dem Gegenüber zu sagen, dass man darüber nicht sprechen möchte oder es ihn nichts anginge.

 

Sehr häufig wird es gesagt, weil dem Befragten gerade keine prägnante Tätigkeit einfällt, die ihm besonders erwähnenswert erscheint.

Was ‘nichts tun’ also bedeuten soll, hängt von der jeweiligen Situation ab und ist uns allen eigentlich auch klar.

Doch tatsächlich gibt es das ‘Nichts-Tun’ nicht, wenn man es einmal in Ruhe betrachtet. Man kann nicht nichts tun. Selbst wenn man sich darüber nicht bewusst ist, irgend etwas tut man immer. Denn Tun ist aktiv und passiv zugleich. Wenn ich sage, ich tue nichts, und damit meine, ich ruhe mich aus, tue ich doch etwas. In diesem Fall ruhe ich mich aus. Wie im Einzelnen das aussieht ist wieder situationsabhängig und personenspezifisch. Fernsehen, entspannen, schlafen, liegen, sitzen, atmen, leben, existieren – sind nur einige wenige Dinge, die wir häufig mit “nichts tun” bezeichnen.

Nichts tun ist ein Synonym dafür, keine besonderen Dinge zu veranstalten, nichts geplant zu haben, sich keine Gedanken zu machen..

Und Nichts-Tun ist eine Unmöglichkeit. Es ist sozusagen ein Widerspruch in sich. Tun ist Etwas. Und das Gegenteil von Etwas ist Nichts.

Pflückt man diese Redensart also auseinander, hat man etwas Nicht-Mögliches. Aber ein Werbe-slogain sagt so schön: “Nichts in unmöglich”. Und so machen wir mit unser Sprache Unmögliches möglich. Denn wer würde über den Begriff nichts-tun stolpern?

Demnach ist es zwar eigentlich nicht möglich, wird aber ständig gemacht. Und nachdem ich dieses Essay mit einem Lächeln beende, froh darüber, mir einmal mehr klar gemacht zu haben, dass Menschen gut darin sind, unsinnige Radensarten zu erfinden, werde ich mich auch erst einmal hinlegen und einfach nichts tun.

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