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Ich bin schuld.. und dem Tod entronnen.

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28. März 2006 von Dr.Jones

Ich unterbreche Mal meine Proberaumhölle zugunsten von etwas aktuellem..

minitornado_hamburg_27_03_06.jpgWenn heute jemand zufällig das Pech hatte die Elbe innerhalb Hamburgs, politisch korrekt mit der S-Bahn überqueren zu wollen der hatte Pech: pünktlich zum Feierabend ging zwischen Wilhemsburg und Harburg so richtig und überhaupt nix mehr.
Zwischen 18:30 und 21:30 war die S-Bahn-Strecke (und ich meine die auch die Fernbahn dicht).
Wie das mit meiner Schuld und dem Tod zusammenhängt? Ganz einfach:

Die Rückreise (das unwichtige Drumherum)
Ich stand da so am Dammtor Bahnhof und wartete auf meine Bahn Richtung Neugraben. Da die S3 bekannterweise nicht ab Dammtor fährt, sondern man gezwungen ist die S31-Krücke zu nehmen, tat ich dies und war fix am Hauptbahnhof. Ich freute mich bereits es doch noch mit Tina zu unseren Fear Factory Freikarten zu schaffen:
1. Komme nach Hause 2. Iss & trink kurz was 3. Sammle Tina ein, gehe nicht über Los sondern fahre 4. direkt zu Ovid und genieße ein schönes Gedresche, dass unsere Nachbarn das Fürchten lehren würde. Ich bekenne an dieser Stelle, dass ich die Vorband bevorzugt hätte (Strapping Young Lad ist halt FF für Fortgeschrittene :beer:), aber die hatten die Europa-Tour eh’ abgesagt.

Nun stand ich also am Hauptbahnhof und kombinierte, angsteinflössend und bestialisch intelligent wie ich bin, bereits hier auf die S3 umzusteigen, um so in jedem Fall vor irgendwelchen “Anderen” ignorant einen Sitzplatz zu ergattern
- sehr gut. Und nach knapp 3 Minuten kam sie auch.

The Tempest für Anfänger und der übersehene Hauch des Todes
Ich saß also gemütlich in der Bahn und vertiefte mich immer mehr in meine Privatsphären-Schutzlektüre, als kurz nach Wilhelmsburg ein merkwürdiger Dampf links von der Bahn am Fenster vorbeizog. Als immer mehr Leute nach draussen schauten und sogar aufstanden, dachte ich mir irgendwann: “Hmm, könnte vielleicht interessant, oder sogar wichtig sein..” und drehte meinen Blick nach links und schaute auf den Mini-Tornado. .. zumindest war das, was ich da sah ein undurchsichtiger Wirbel über der Elbe mitten neben der Brücke über die wir gerade fuhren.

“Nee, klar!”, ein kleiner Tornado in HH – mit seinem kleinen Bruder dem Curryfurz, jaja.. blabla” .. dachte ich so ähnlich eigentlich auch. Nachdem ich begonnen hatte mein Gedächtnis nach der letzten Erinnerung an überhaupt einen Wirbelsturm dieser Art in Hamburg zu durchkämmen und recht fix das Time-Out für die Anfrage erreicht war, dachte ich mir: “Thomas, nimm doch mal die Kamera und versuch’, auch wenn Du suchen musst, dieses fremde Wesen Handy-Cam zu nutzen und vielleicht noch den Rest von diesem müll-wirbelndem Ungetüm abzulichten.”
Das Ding war zu dem Zeitpunkt schon übers Wasser rüber und ich erinnerte mich auch an den Knall zuvor und das recht abrupte Abbremsen der Bahn.
Kurz darauf standen wir und alle beobachteten immer noch Twister’s kleinsten Bruder (Nein, Kühe wirbelten da nicht rum..).

Stillstand der Informationsgesellschaft
minitornado_hh_sunset.jpgSo stand nun die Bahn. Un nu? Nichts. Ungefähr 5 Minuten, so lange benötigte wohl der Fahrer zur Erholung. Dann die Durchsage alle hätten wohl das Ding da draußen gesehen und den Krach beim Überfahren von etwas auch. “Hm, wer schmeisst sich bei so nem Dreckwetter vor die Bahn?..” Na egal..
Das Wer wurde nach 45 Minuten (so lange dauerte es bis der Apparat Deutsche Bahn sich entschied den Strom auf der ganzen Brücke abzustellen, damit sich der arme Lokführer nicht eventuell bei der Begutachtung des Problem selbst pulverisiert) zu einem Was: ein Wellblech hatte sich in den Rädern des dritten Waggons verkeilt.
Nach einer Stunde Stehzeit wussten wir also warum wir standen.
Der Idee den restlichen Zug hinten einfach abzukoppeln, um endlich weiterfahren zu können machte der abgeschaltete Strom einen Strich durch die Rechnung.
Also taten wir alle, was alle Menschen der Tat in Deutschland tun: abwarten und seinen Senf dazugeben. Versuche jemanden per Mobilfunk zu erreichen waren fast so “einfach” wie in den 80ern jemanden in Polen anzurufen und zu erreichen – vorausgesetzt er besitzt ein Telefon.
Die Deutsche Bahn, immer um vollste Kundenzufriedenheit bemüht, entsandte den auch umgehend nach 70 Minuten Verstärkung an den Ort des Geschehens, und so kam es, dass ein Mitarbeiter des SEK Unwetter der Bahn anrückte.
Hoffnung machte sich breit! Alle 5 Minuten Updates über das aktuelle Geschehen und alle 45 Minuten was neues. Das war irgendwie ein Frühstücksfernsehen-Erlebnis, alle 5 Minuten Nachrichten und höchstens einmal pro Stunde das gleiche:

“Wir haben nun A vor, was durch B problematisch wird – es wird noch ein wenig dauern”

“Wir haben nun A vor, was durch B problematischer wird – es wird noch ein wenig länger dauern”

“Wir haben nun A vor, was durch B noch problematischer wird – es wird wirklich noch länger dauern”

“Wir haben nun A vor, was durch B noch viel problematischer wird – es wird noch ein viel länger dauern”

..mir machten die charmanten, wenn auch medial unsicheren Ansagen langsam ganz gute Laune – auch wenn bis dato bereits fast 1,5 Stunden vergangen waren und die Fortschritte sich, diplomatisch ausgedrückt zurückhielten.

Action & Spannung
Nach weiteren 20 Minuten Begutachtung wieder eine News:
Man müsse wohl davon ausgehen, dass sich der Schaden nur beheben lässt, wenn man auch die komplette Strecke stromtechnisch verhungern liesse (soll mir ja recht sein), aber (und da hörte ich schon fast nicht mehr hin..) der Kollege hätte kein Equipment dafür mitgebracht, müsse nochmal welches holen und wäre nach höchstens 15 Minuten wieder zurück.. kauft der das bei Lidl?? Muss er den Kram erstmal beantragen, bevor er ihn bekommt? Naja, was is denn nu der Plan? Ah ja: weiterfahren nachdem man das Ding (Wellblech) entfernt hat.

1h 50min – eine weitere Durchsage, die was neues bringt (im Kontrast zu den zwischenzeitlich anderen 10):
Leider sei das Blech so verkeilt, dass man es nicht entfernen könne. Ja, sind die denn immernoch zu zweit?? Und jetzt? Baden?
Man müsse sich nochmal mit der Leitstelle verständigen. Bitte, bitte..
Dann die Durchsage von der Leitstelle persönlich: Man könne das Teil d nicht entfernen und wisse leider auch nicht wann und wie das ginge.. Bilder von eingeschneiten Autos zwischen Kassel und München tauchten vor meinen Augen auf.

2h 15min – JETZT ABER ACTION:
Die Polizei, der BGS UND die Feuerwehr seien im Anmarsch die Bahn, Waggon für Waggon zu räumen. Hehe, cool! Das is aber schon fast zuviel der Ehre ;) In dem Moment fiel mir ein, dass wir ja auf einer nackten Bahnbrücke mit ein paar Wartungs-Schleichwegen für Schwindelfreie stehen und das nach Sonnenuntergang (welcher übrigens sehr schön war).
Zappenduster und bis Harburg nirgendwo Licht (auch die von Blaulicht gesäumte Autobrücke nebenan war inzwischen erloschen) – nu wird tatsächlich noch spannend.

Pauken und Trompeten
Was soll ich sagen: nachdem sich wahrscheinlich alle auf eine Nachtwanderung, wie in besten Grundschulzeiten (nur diesmal auf einer unbeleuchteten Bahnbrücke, ohne Taschenlampe oder Decke) mehr oder weniger gewillt eingestellt hatten und sich ca. 30 Minuten (2h und 30min) angespannt ruhig gehalten haben, kam die nächste Wendung.
Die Feuerwehr sei unterwegs mit schwerem Geschütz, um das Wellblech zu Schrauben zu verarbeiten und die Bahn zu befreien – eine Räumung der Bahn stünde erstmal nicht mehr zur Debatte.
.. So langsam gefiel mir die Idee den betroffenen Sch..-Wagen abzukoppeln wieder besser und besser.

Nochmal 10 leere Durchsagen später wurde die Warnung an Waggon 3 betont von der betroffenen Stelle Abstand zu nehmen und auf den Krach nicht weiter zu achten.. Na dann mal los Waggon 3: Nix-tun!
Achja, man wisse aber nicht, ob der Wagen danach überhaupt weiterfahren könne ;) Da sackte manchen wohl wieder die Brücken-Räumungs-Variante in die Magengegend.

Nach 2h 50min begann die Bahn sich zu bewegen! Der Zugführer bedankte sich mit seiner schätzungsweise 60. Ansage für die Ruhe und Geduld der Fahrgäste zzgl. Werbe-Blabla.
Was soll ich sagen: ich lebe, habe was echt unglaubliches gesehen, einen schönen Sonnenuntergang vom fensten angeschaut und gelernt, dass man manchmal mit Durchsagen sparsamer sein kann ;)
Man kann 3 Stunden doch wirklich schlechter vergeuden, oder?
Und achja, wenn Ihr auch irgendwo in der Bahn gesessen habt: Ihr habt u.a. wegen mir gestanden, hehe.
Man wollte uns ja schützen (”unten ist statt Fussweg nur Wasser”) und nicht im Dunkeln planschen oder durch Bahnstrom (is der eigentlich billiger als bei Vattenfall?) umkommen verglühen lassen – Sicherheit vor Zeit – sehr gut, setzen!
Bleibt gesund,

Euer GoreFest

5 Reaktionen zu “Ich bin schuld.. und dem Tod entronnen.”

  1. Der Blogbote

    Windhose in Hamburg

    Hamburg hat gestern Abend einen Mini-Tornado über sich ergehen lassen müssen. So mini war das Ganze wohl doch nicht. Laut netzeitung.de kamen dabei zwei Menschen ums Leben. Gorefest von trashboard.de war fast hautnah dabei. Einen Bericht gibt es hier…

  2. TheFly

    Hö Hö…

    Ich war einer der tapferen Feuerwehrmänner der euch dann letztendlich noch befreien konnte :D

  3. GoreFest

    Ja, da dank ich doch! Als Ihr angerollt seid, hat das ganze statt bahnüblichen 2:30h nur noch 15 Minuten gedauert *g*

  4. Christoph

    Hallo GoreFest!

    Ich würde mich freuen, wenn Du Dich einmal bei mir melden könntest. Speziell mit Antwort auf die Frage, ob man aus der Bahn auch ein umgekipptes Wohnmobil auf der benachbarten Brücke sehen konnte.
    Danke & beste Grüße!

  5. Domenik

    Hallo
    Ich habe auch den Tornado gesehen aber ich war zu hause ich hab den Tornado aus meinen Balkon gesehen.
    Das ding war heftig.Es viel sogar der Strom aus.

    MFG Domenik

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